Juli 2008 Archive

Network_effect.jpgDer Nutzen Sozialer Applikationen steigt mit der Anzahl der Teilnehmer. In welchem Maße er jedoch steigt wissen wir erst seit dem Gesetz von Metcalfe, das ursprünglich für die Telekommunikation aufgestellt wurde, jedoch unverändert auf das Internet übertragen werden kann.

Laut Metcalfe steigt dieser Nutzen quadratisch mit der Anzahl der Benutzer.

Das Metcalfesche Gesetz erklärt jedoch nicht, wie ich neue Benutzer für mein System interessiert kriege, sondern legt nur nahe, dass ab einer gewissen Menge der Nutzen so offensichtlich wird, dass weitere nahezu automatisch folgen.

Bis diese kritische Masse jedoch erreicht ist liegt viel Überzeugungsarbeit vor einem Unternehmen, wenn es neue Soziale Applikationen einführen will.
28. Juli 2008

Software oder Service?

Fast alle Typen Sozialer Applikationen gibt es sowohl als Software zum Download als auch als Internet-Service. Im privaten Umfeld sind Services recht populär, sicher, weil es oft zu aufwendig ist, einen eigenen Server aufzusetzen. Im Unternehmen geht es jedoch primär darum, die eigenen Daten unter Kontrolle zu behalten. Zwar erreicht kaum ein Unternehmen die Verfügbarkeit eines modernen Internetdienstes, allerdings sind Ausfälle von Services meist umgehend für die ganze Welt offenkundig.

Offene Standards sind extrem wichtig, um "echte" Services im Internet zu erschaffen. Für Nutzer dieser Services ist es wichtig, den Anbieter eines Dienstes leicht wechseln zu können. Bisher kochen die Service-Betreiber und Toolhersteller jedoch oft ihr eigenes Süppchen.

owf.jpg

Höchste Zeit also für eine Stiftung, die den Zusammenschluß von Individuen unterstützt, um gemeinsam als offene Gruppe (Community) Spezifikationen zu entwerfen. Seit gestern existiert genau für diesen Zweck die Open Web Foundation.

Im Gegensatz zu Stiftungen mit ähnlichem Ansatz (zum Beispiel der Apache Software Foundation) geht es bei der OWF nicht um die Erstellung von Software, sondern rein um das Fixieren und Etablieren von Spezifikationen für ein offenes Internet.

Neben der genannten Webseite fand die folgende Präsentation viel Beachtung:

p1_toomuchemail.jpgNeben Spam nervt eine Form von Emails im Unternehmen besonders, und das sind sogenannte Breitband-Emails an mehr als eine handvoll von Empfängern. Im Extremfall laufen diese Emails an jeden Mitarbeiter im Unternehmen. Und extrem ärgerlich oder manchmal auch unfreiwillig komisch wird es, wenn ebenso breitbandig und wieder über alle Teilnehmer darauf geantwortet wird.

Nachrichtenkanäle sind im Enterprise-2.0-Umfeld eine besondere Form von Weblogs.
Im Vergleich zwischen Emailbox und Weblog verhalten sich Nachrichten und Kommentare grundlegend unterschiedlich: Auf einem Weblog werden Kommentare erst sichtbar, wenn man in die Nachricht hineinnavigiert, außerdem bleibt der Zusammenhang zwischen Nachrichten und Kommentaren jederzeit gewahrt.
email_vs_weblog.jpg Es spielt darüber hinaus keine Rolle, wann ein Empfänger auf einen Kanal aufgeschaltet wird: Er hat immer Zugang zur kompletten Historie. Ein weiterer klarer Vorteil des Weblogs ist, dass Dateien nicht redundant in mehrere Boxen verteilt werden, sondern zentral und für alle gemeinsam auf ein und dem selben Server vorliegen.

Als wir auf der Suche nach einem URL für unser "Social Apps"-Projekt waren, waren wir sehr überrascht, dass praktisch alle TLD-Varianten der Domain socialapps schon vergeben sind, bis auf eine: die .de-TLD war bis vor Kurzem noch verfügbar.

Vielleicht charakterisiert gerade das einen Trend, der bislang in Deutschland überfällig war: Die Erkenntnis, dass nicht Web2.0 mit Ajax und tausend bunten Webseiten, sondern die sozialen Applikationen des Web 2.0 zur nächsten Success-Story im Unternehmens-Einsatz werden. Davon sind sicher nicht nur wir überzeugt, sondern auch eine Menge anderer Menschen.

Was charakterisiert Social Applications ? Es sind Anwendungen, die der Menschheit neue Kommunikationsformen an die Hand geben und ihr so erlauben, immer effizienter Sozialkontakte aufzubauen und zu pflegen.

Wettbewerbsvorteile erzeugen Business. Wissen zu besitzen, das meine Konkurrenz nicht besitzt, ist ein Wert. Aus diesem Grund wird Wissen häufig hinter Unternehmens-Mauern versteckt. Ist etwas was ich weiß brandneu und hochgradig innovativ kann das ja auch Sinn machen. Jedoch sollte auch der Nebeneffekt bewußt sein: Ungeteiltes Wissen hindert das Voranschreiten der Innovation.

Kann ich von meinen Mitarbeitern erwarten, dass sie ihr persönliches Wissen für meine Firma dokumentieren und offenlegen, wenn ich selbst als Unternehmen nach außen hin nichts preisgebe?

Und wovor habe ich Angst? Dass meine Konkurrenz mein Wissen abschöpft wenn ich es öffentlich entwickle?

newsletters.jpg

Das Benachrichtigungs-Medium par excellence im Unternehmen ist sicherlich immer noch Email. Mitarbeiter haben rund um die Uhr Outlook oder ähnlich Emailclients offen, Internet-Browser werden jedoch erst bei Bedarf geöffnet.

Wikis und Weblogs nutzen als Benachrichtigungswerkzeug bevorzugt RSS Feeds. Für die Benutzer im Unternehmen sind diese jedoch nur mit Extra-Aufwand konsumierbar. Online Feed-Reader wie Bloglines oder Google Reader demonstrieren eindrucksvoll, wie leicht sich Feeds konsumieren lassen, sind aber nicht für den geschlossenen Einsatz im Intranet konzipiert.

Das Suchen nach einer Lösung lohnt sich jedoch, schließlich schafft die Kombination von Feeds mit Weblogs ganz neue Möglichkeiten für die Unternehmenskommunikation. Das Erschaffen von hocheffizienten Nachrichtenkanälen wird zum Kinderspiel wenn diese Basisprobleme erst einmal aus dem Weg geräumt sind.

Für die Nutzung ist Training und ein Umlernen nötig: Entweder muss der bestehende Email-Client um Feed-Funktionen erweitert werden, oder wir etablieren ein Webportal als Zentrum der Unternehmenskommunikation.

Will ich derzeit ein Weblog als Nachrichtenkanal etablieren, ist der praktikabelste Ansatz der, auch einen Email-Newsletter zu verschicken. Für manchen Nachrichten mit sofortiger Versendung (wichtige Systeminfos), für andere mit regelmässiger Frequenz (täglich, wöchentlich...).

Mitarbeiter sollten dabei Eigenkontrolle über das Anpassen, Abonnieren oder Abstellen von Newsletter-Inhalten haben. Im Idealfall stellen sie die gewünschten Inhalte per Klick zusammen.

Das Aufsetzen einer solchen Newsletterfunktion kriege ich jedoch nicht geschenkt: Soziale Applikationen liefern zwar durch die Bank Feed-Funktionen, jedoch nur selten Newsletter-Unterstützung.
Heute mal ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit: In der folgenden Präsentation haben wir uns das allererste mal mit dem Thema "Soziale Applikationen" befasst. Der Vortrag ist in dieser Form auf der IBM Common Jahreskonferenz 2007 gezeigt worden. Seitdem hat sich natürlich einiges im Themenfeld geändert.


Wer sich fragt welche Technik hinter unserem Eintrag steckt: Wir haben den ursprünglichen Powerpoint-Vortrag einfach auf slideshare.net zur Verfügung gestellt. Dieser Präsentationsdienst verwandelt statische Vorträge in interaktive Webobjekte, erlaubt das Einbetten des konvertierten Vortrags ins eigene Blog und liefert auch Abrufstatistiken.

Slideshare ist was den Austausch von Präsentationen angeht inzwischen ein defacto Standard und praktisch das Powerpoint/Keynote-Äquivalent zu Videos auf youtube.
Funktionierende Kommunikationsströme sind für die meisten Unternehmen überlebenswichtig. Soziale Applikationen bieten hier neue Werkzeuge für die Kommunikation, jedoch ist nicht jedes Werkzeug für jede Art von Inhalt geeignet.

Gerade klassische Anwendungen wie Email oder Intranet werden oft ineffizient eingesetzt und sorgen so für massive Störungen in der Kommunikation sowie für gravierende Mängel im Wissenmanagement. Dabei sind drei Kernprobleme auszumachen, die wir im folgenden vorstellen wollen.
 
p1_toomuchemail.jpgProblem Nr 1: Zu viel Email!

Kaum jemand im Unternehmen wird sich darüber beklagen, dass er/sie zu wenig Email erhält. Selbst wenn wir Spam und Junkmail einmal abziehen bleibt es dabei: Überfüllte Postfächer sind ein Dauerzustand. Kaum jemand, der sich nicht jeden Morgen erstmal einige Minuten mit dem Ausfiltern und Sortieren von elektronischer Post beschäftigen muss.

Volle Postfächer entstehen dabei nicht durch neu erstellte Emails an einen bestimmten Adressaten, sondern durch vermeindlich praktische Funktionen wie "weiterleiten", "ankopieren" und "allen antworten". Ein und die selbe Information wird hierbei vermehrt und redundant quer durchs Unternehmen geschickt. Durch Features wie "Antwort mit Zitieren der Ursprungsemail" entsteht innerhalb kürzester Zeit ein Informationschaos, dem man fast nur noch mit Volltextsuche begegnen kann.
Gehen wir einmal davon aus, dass ich zum Start meines Weblogs viele fremde Blogs zum gleichen Thema lese und dort Kommentare hinterlasse. Der Zweck dabei ist dann unter anderem, dass ich Querverbindungen zu meinem Blog aufbaue.

Will ich für diese Querverbindung auch etwas zurückgeben, kann ich das am einfachsten machen, indem ich meine neu entdeckten Lieblings-Weblogs auf meine Blogroll setze.

Eine Blogroll ist eine Liste von fremden Blogs, die ich über mein eigenes Blog bewerbe. Meist taucht sie in den Seitenbereichen meines Blogs auf, und listet Autoren zu "meinem Blog-Thema" deren Arbeit ich schätze. Auch auf Social Apps wird es bald eine solche Blogroll geben, die wir jedes mal wenn wir einen empfehlenswerten Blogger entdecken ergänzen wollen.

Neuzugänge auf der eigenen Blogroll beschreibt man natürlich am besten mit einem neuen Blogbeitrag.