November 2008 Archive

Die Grundvoraussetzungen für Soziale Applikationen wie Wiki und Weblog sind Offenheit und Transparenz. Es geht schließlich um die Wissens-Dokumentation und Wissens-Förderung.

Oft von mir gehörte Einwände gegen das Teilen von Wissen ist jedoch "die anderen machen es ja auch nicht" oder "damit mache ich mich ja überflüssig".

Doch ist der exklusive Besitz eines Wissens das wofür mich ein Arbeitgeber bezahlt? Liegt mein Nutzen für ein Unternehmen rein in dieser Unverzichtbarkeit?

Ich denke man entlohnt mich eher dafür, dass ich die Verantwortung für von mir übernommene Aufgaben und angebotene Lösungen übernehme.

Ein Beispiel dazu aus meinem Projektalltag:Meine Arbeit in Unternehmen ist häufig von Helpdesks unterstützt. Benutzer erfassen Tickets mit Problemen, und auf die eine oder andere Art gelangen einige davon irgendwann zu mir.

Ein häufiges Verhalten in solchen Helpdesk-Systemen ist es, Rückfragen zu stellen, bis die Problemstellung begriffen ist. Danach geht das Ticket in einen Status a la "in Arbeit", und bis zur Lösung des Problems passiert nicht mehr viel. Erst wenn das Ticket gelöst ist, folgt dann oft noch ein letztes Update in der Form "Problem sollte jetzt nicht mehr auftreten".

Wo steckt das Wissen in diesem Prozess? Nun, ganz klar in der erarbeiteten Lösung. Und für mich ist es extrem wichtig diese Lösung detailliert im Ticket zu dokumentieren. Ich teile die Lösung so öffentlich mit meinen Kollegen. Und ja: Sie werden ähnliche Tickets viel schneller bearbeiten können als ich beim initialen Ticket. Und vielleicht werde ich für diese Problemstellung danach nicht mehr wirklich gebraucht. Genau das ist die oben skizzierte Angst, sich "überflüssig" zu machen.

Meine Beobachtung ist jedoch eine völlig andere, und der Effekt für mich ist extrem positiv:

  • Das Teilen des Wissens wird vom Unternehmen und Kollegen als wertvolle Hilfestellung empfunden
  • Ich werde weiterhin benötigt, da ich ja die Verantwortung für den Lösungsansatz behalte (das Reproduzieren eines Lösungsansatzes ist nicht die eigentliche Leistung)
  • Ich kann mich als fachlich kompetent zu einem Thema darstellen
  • Ich beschäftige mich primär mit neuen, bisher unbeantworteten Problemen sowie der Verfeinerung bereits gefundener Lösungsansätze, was meine Arbeit spannender macht
  • Routinearbeiten gelangen in die Hände vieler, und die Arbeit in der Abteilung wird deutlich effizienter
  • Kollaboration und das "sich Austauschen" über Lösungsansätze wird gefördert
Meine Erfahrung mit dem "Teilen von Wissen" ist also durchgehend gut. Und darum meine Empfehlung: "Mach etwas sinnvolles... und rede darüber".
13. November 2008

Die Soziale Revolution

Morgen steht unser nächster Vortrag zum Thema Soziale Applikationen an, und zwar im Rahmen der Power-Society 08.

Es handelt sich um einen erweiterten Remix der Vorträge unseres Thementages, und natürlich möchten wir diesen auch mit den Besuchern unseres Weblogs "teilen". Dieses geht im Web2.0 derzeit am einfachsten und effektivsten per Slideshare, einem recht populären Service zum Austausch von Präsentationen und deren interaktive Einbettung in eigene und fremde Webseiten.
View SlideShare presentation or Upload your own. (tags: web2.0 social)
Vor 9 Jahren fiel einer der Startschüsse für die Sozialen Applikationen des Web 2.0: Das sogenannte "Cluetrain Manifest" wurde von Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger  veröffentlicht.

cluetrain.jpgDas Cluetrain Manifest enthält 95 Thesen darüber, wie sich das Verhältnis zwischen Kunden und Unternehmen im Zeitalter des Internets verändern wird und bezieht sich dabei primär auf neue Kommunikationswege, die das Web oder Mobiltelefone erschließen. Zusätzlich wagt es eine Prognose, welchen Einfluß dieses Verhältnis auf das Marketing nehmen muss.

Für uns ist das Ganze auch nach 9 Jahren noch von Interesse, denn es geht offensichtlich um das, was wir als Soziale Applikationen bezeichnen.

Ein Blick in die Thesen lohnt sich also durchaus, und das insbesondere, weil immer wieder neue Soziale Applikationen auftauchen werden, auch wenn die, die das Web 2.0 mit im Gepäck hat, längst ein Standard geworden oder in Vergessenheit geraten sind.
04. November 2008

Kollaboration erwünscht

Wir möchten uns auf diesem Wege noch einmal bei allen Teilnehmer unseres Thementags Web 2.0 für die Teilnahme bedanken. Wir hoffen, dass er Ihnen Impulse gegeben hat, die eine oder andere Soziale Applikation im Bezug auf den Einsatz im Unternehmen hin selbst zu evaluieren. Selbstverständlich stehen wir Ihnen bei weiteren Fragen jederzeit zur Verfügung.

KosaidoGolfClubPanorama.jpgGanz "Web/Enterprise 2.0"-typisch würden wir uns auch hier über Kommentare freuen, denn nur diese ermöglichen es uns, auch in Zukunft Thementage zu schneidern, die auf Ihre Bedürfnisse passen. Wir freuen uns schon jetzt auf "jede Form der Kollaboration".

Einer der nächsten Einträge erklärt, wie sie ohne viel Aufwand mit dem Thema "Soziale Applikationen" auf dem laufenden bleiben können, denn wir planen weiterhin, dieses Thema hier "offen" zu entwickeln.

Natürlich sind wir dabei jederzeit an Berichten darüber interessiert, wie in Ihrem Unternehmen Soziale Applikationen zum Einsatz kommen und welche Erkenntnisse sie damit gesammelt haben. Wir denken Herr Walden hat mit seinem Vortrag wunderbar demonstriert, wie wichtig und aufschlußreich es ist, sich gegenseitig zu diesem Gebiet auszutauschen und so Wissen zu teilen.

KosaidoEingangSchild.jpgDie Vorträge unseres Thementags "Web 2.0 im Unternehmen" stehen absofort zum Download bereit:

Sämtliche Vorträge wurden als PDF hinterlegt, sie benötigen für das Ansehen einen entsprechenden Reader.

Eine interaktive Version der Vorträge wandert in den nächsten Tagen auf unsere Webseite.

Der Vortrag von Herrn Walden (Toshiba Electronics Europe) sollte auf seinen Wunsch hin nicht offen eingestellt werden, sie können jedoch über uns Kontakt mit Herrn Walden aufnehmen falls es Fragen gibt.
Weblogs (oder kurz Blogs) sind in ihrer Urform die Online-Variante eines Tagebuchs. Der Unterschied zum klassischen Tagebuch ist dabei primär, dass Blogs in der Regel öffentlich geführt werden, und dass Kommentare möglich sind.

Warum sind Blogs so populär? Wir denken, weil sie das Publizieren im Internet oder Intranet für "die Massen" eröffnen: Blogs mit Einträgen zu füllen ist deutlich leichter als das Anlegen einer Webseite, und das macht sie für viele zu einer echten Alternative zum manuell erstellten Webauftritt. Ich kann mich beim Blog voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren, und finde mit etwas Glück ein geeignetes Design schon im Lieferumfang des gewählten Werkzeugs. Sollte das Design sich später einmal ändern müssen, ist das auch kein Drama: Ich verliere niemals bereits erstellt Inhalte.

leserbrief.jpgDie genannten Vorteile machen ein Blog jedoch noch nicht zur Sozialen Applikation. Erst die Kommentar-Funktion leistet das, denn Menschen können über sie mit mir in Verbindung treten.

"Publizieren und Kommentieren" hat den Charakter einer Zeitschrift mit Leserbrief-Funktion, wobei der Autor auf Wunsch Kommentare auch moderieren kann. Auch diese Schnittstelle für die Außenwelt macht Blogs deutlich interessanter als einen statischen Webauftritt.

Doch ist das schon alles, was ich für eine vollwertige Kommunikation brauche? Für den Autor des Weblogs ist es das: Er wird über die Kommentare zeitnah informiert und kann darauf reagieren. Doch wie erfährt der Leser von einer eventuellen Antwort auf seinen Kommentar? Wir können nicht davon ausgehen, daß er immer wieder mein Blog besuchen wird.

Feeds geben ihm sicher eine Übersicht über neue Artikel, die auf einem Blog eintreffen. Das ist eine gute und praktische Lösung. Einige Blogsystem liefern auch Kommentar-Feeds für jede einzelne Nachricht. Doch das ist unpraktikabel für den Leser: Er müsste für jede gestartete Kommunikation einen separaten Feed abverfolgen.

Ein Ansatz kann sein, die Kommunkation nicht im Weblog stattfinden zu lassen, sondern auf externen Plattformen. Das kann ein Microblog sein oder ein Feedaggregator wie friendfeed. Hier ist das Diskutieren eines Themas deutlich einfacher im Rede- und Antwortspiel als auf einem Weblog.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie die Hersteller in der Zukunft das "Problem der auf Blogs aufkommenden Diskussionen" in Angriff nehmen. Für den Firmeneinsatz gibt es Pakete wie das Confluence-News-Modul, die Benachrichtigungsemails an alle Parteien der Diskussion versenden, wenn etwas "relevantes" passiert. Unternehmen sind hier ausnahmsweise einmal umfassender bedient mit Lösungen als es das offene Internet derzeit ist.
01. November 2008

Die Themen-Netz-Problematik

In unserem Eintrag zum Thema "Hierarchie und Netzwerk" haben wir bereits den Unterschied zwischen Unternehmenshierarchie und Sozialem Netzwerk gezeigt. Es ist jedoch interessant, sich diese Sozialen Netzwerke etwas detaillierter anzusehen:

Themennetze.jpgDas komplette Netzwerk beantwortet die Frage "Wer kennt wen?", und es ist dabei egal, welches "Thema" oder welche "Aufgabe" die einzelnen Mitglieder miteinander verbindet. Beschränke ich mich auf ein Thema und damit auf die Frage "Wer den ich kenne kennt sich damit aus?", fallen jedoch Kanten weg und es entstehen mehr separierte Inseln als im Gesamtnetz. Nicht jeder im Unternehmen weiß zu einem Thema, wer sich damit beschäftigt, und je spezieller das Thema wird, desto kleiner werden oft die Teilnetze.

Social Networking Systeme (SNS) sind eine spezielle Klasse von Sozialen Applikationen, die gezielt das Gesamt-Netzwerk eines Nutzers in den Mittelpunkt stellen. Auch wenn diese mehrere Funktionen und Teilapplikationen bieten (die  wir als "Themen" ansehen können), bilden Mitglieder ihr Kontakt-Netzwerk trotzdem nur ein einziges mal ab. Wählen Mitglieder eine neue Anwendung, sehen sie automatisch, welche ihrer Kontakte diese Applikation auch nutzen. Auf diese Weise gewinne ich Übersicht über Ansprechpartner zu einem Thema.

Das Web 2.0 ist als Applikations-Sammlung davon noch weit entfernt: Nichts dort ist derzeit lästiger, als in jeder neuen Sozialen Applikation sein Netzwerk ein weiteres mal abbilden zu müssen. Man sollte dabei nicht vergessen, dass das Hauptkriterium eine Soziale Applikation (weiter) zu nutzen ist, dass möglichst viele meiner Kontakte sie auch benutzen, und ich sie als "mir bekannt" überhaupt erkenne. Das ist nicht immer trivial, insbesondere dann, wenn jede Anwendung ein eigenes Mitgliedsprofil verlangt.