Januar 2009 Archive

Bloggen ist tot! So hört man es an allen Stellen im Internet. Und ein wenig stimmt das auch: Zu Anfang der Weblog-Bewegung war die Stärke von Weblogs gegenüber statischen Webseiten ja, dass man auf Ihnen mit seinen Lesern in die Diskussion einsteigen konnte. Kommentare machten das möglich. Auch neu war die Möglichkeit, sich zu verbinden: Blogger richteten Blogrolls ein, um andere Blogs zu nennen, die ihnen empfehlenswert erschienen. Und ja, all das tun wir nicht mehr: Kaum einer der die Kommentarfunktion noch nutzt, kaum jemand der seine Blogroll noch pflegt.

Ist Bloggen tot? Und das nur, weil nicht mehr auf unserem Weblog kommentiert wird? Ich denke nein, denn Kommentieren ist nicht das Herzstück des Bloggens. Das Herzstück des Bloggens ist es, Artikel zu schreiben. Für sein Blog ein Thema festzulegen, und halbwegs regelmässig darüber zu berichten. Gibt es dafür ein besseres Werkzeug als ein Blog? Ich denke nicht. Genau dieser Teil, das Erstellen von Inhalten, geht mit einem Weblog wunderbar leicht von der Hand. Und neue Möglichkeiten wie das Mobile Blogging machen es sogar immer einfacher, rund um die Uhr Artikel einzustellen.

whitehouseblog.jpgWas ist nun aber eigentlich gestorben? Nur die Art, wie über meine Inhalte diskutiert wird. Schlimm ist das jedoch nicht: Wenn die Diskussion über meine Inhalte jetzt an anderer Stelle stattfindet, wertet das nicht das Thema "Bloggen" an sich ab. Es scheint halt für meine Leser dort draussen einfach bessere Orte zu geben, um über Inhalte zu diskutieren als mein Weblog selbst.

Ich glaube, wir hatten nie bessere Werkzeuge an der Hand als jetzt, um unsere Blog-Einträge zur Diskussion zu stellen. Wir müssen als Blogger nur aktiv an diesen neuen Diskussions-Schauplätzen wie Twitter oder Friendfeed teilnehmen, wenn wir wissen wollen, wie über uns geredet wird. Wir verlieren zwar die Kontrolle über die Gespräche über uns, aber exakt das Moderieren von Kommentaren hat uns doch in der Vergangenheit am meisten Zeit und Nerven gekostet. Gut, dass wir uns endlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren können. Man darf nur dem Charme der neuen Diskussions-Schauplätze nicht zu sehr erliegen. Aber schließlich will man ja auch eigene Inhalte für die Diskussion haben. Bloggen geht's prima.
Ob Wahlkampf oder Notwasserung: Micro-Blogging (und hier insbesondere der Urvater Twitter) sind derzeit in aller Munde. Kein anderer Nachrichtenkanal auf der Welt ist schneller, und zum Reporter wird jeder, der einen Twitter-Client auf seinem Smartphone hat.

Nachrichtensender und Zeitungen verfolgen Twitter aus diesem Grund inzwischen, haben so ihre Augen überall auf der Welt, und bieten Nutzern eine Schnittstelle, um Nachrichten abzuliefern. (Ein gutes Beispiel für topaktuelle News via Twitter ist sicherlich BreakingNewsOn, die mehrere 100 Nachrichtenströme bündeln und in einen Twitterstrom verwandeln)

Nachrichten auf Twitter sind kurz und prägnant: Jede Nachricht ist auf maximal 140 Zeichen beschränkt. Das klingt nach Kinderspielzeug, ist aber die Basis des Erfolgs: Es gibt kaum Zugangshindernisse, niemand erwartet vollständige Artikel, allein das Wesentliche und der Kern der Nachricht zählt.

Natürlich sind viele der Einträge auf Twitter relativ wertlos für die breite Masse. Die meisten Teilnehmer beantworten dort nämlich nur mehr oder weniger regelmässig die Frage "Was tust Du gerade", und halten damit die Menschen, die ihrem Nachrichtenstrom folgen auf dem Laufenden. Oft geht es dabei aber halt nur um einen Besuch bei Starbucks oder den Gang in die Kantine. Doch so ist menschliche Kommunikation nun mal: Ein Großteil ist nicht wirklich für die Allgemeinheit relevant. Gut, wenn man dann nur 140 Zeichen statt 3 Seiten darüber lesen muss.

Steckt ein Business-Nutzen hinter Twitter? Einige Firmen haben versucht, Twitter als Marketingkanal zu benutzen und sind damit oft auf die Nase gefallen. Was dort nämlich niemand lesen will ist Werbung. Es geht auf Twitter nicht direkt um das Verkaufen, es geht darum, seinen Markt zu beobachten.

Es ist natürlich relevant zu wissen, wie Kunden über meine Produkte denken. Insbesondere wenn es kritische Stimmen sind. Wir können hier als Firma Feuer austreten, bevor daraus eine schlechte Rezension bei Amazon oder ein Blogeintrag wird, den die ganze Welt zitiert. Wir können zeigen, dass wir unsere Kunden ernst nehmen. Und wenn wir als Unternehmen offen und für alle transparent auf Kritik reagieren, hat das einen positiven Effekt auf unser Image.

Ich werde in den nächsten Tagen noch in die Business-Details gehen, aber hier schon mal etwas "zum Spielen": Ganz ohne, dass sie einen eigenen Twitter-Account bräuchten, können sie ja mal einen Blick auf Twitter-Search werfen, ihren Firmennamen oder eine Produktgruppe eingeben und so schauen, wie Twitter-Nutzer über sie denken. Und im Vergleich dazu über ihre Konkurrenz? Viel Spaß beim Suchen. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie schon jetzt ein Thema sind. Ansonsten zeigen wir ihnen in den nächsten Einträgen wie sie es werden.
Eine wunderbare Videodokumentation über die Geschichte des Internets:


Und wir hoffen in 2009 unseren Teil dazu beizutragen zu können, sie ebenso spannend fortzusetzen.